Hermann Waldorf, neuer Kreishandwerksmeister spricht über Ziele, Hoffnung und Wünsche

Foto: Kreishandwerkerschaft


HILLESHEIM. Mitte November haben die Delegierten der Kreishandwerkerschaft MEHR Hermann Waldorf zum neuen Kreishandwerksmeister, vertretend für den Vulkaneifelkreis Daun, gewählt. Hermann Waldorf leitet somit neben Kreishandwerksmeister Bernd Elsen aus Speicher und dem Vorsitzenden Kreishandwerksmeister Raimund Licht aus Lieser mit Geschäftsführer Dirk Kleis die Geschicke der Kreishandwerkerschaft.
Im Interview spricht er nach 100 Tagen im Amt über Ziele, Hoffnungen und Wünsche
.
Herr Waldorf, wie geht es Ihnen nach 100 Tagen als Kreishandwerksmeister?
So gut wie vorher. Es hat sich bis jetzt noch nicht viel geändert. Innungsarbeit war ja schon vorher meine Aufgabe als stellvertretender Obermeister. Die Aufgaben und Möglichkeiten als Kreishandwerksmeister kommen in den nächsten Monaten dazu.

Klingt erwartungsvoll. Welche Aufgaben und Möglichkeiten sehen Sie denn in der neuen Position?
Als Aufgabe sehe ich es, die Innungsbetriebe, auch gewerksübergreifend, noch besser mit einander zu vernetzen, Konkurrenzdenken abzubauen und Verbindungen zu schaffen. Als Einzelbetrieb ohne Innungsanschluss steht man, je nach Situation, ziemlich alleine da. Das Netzwerk, welches eine Innung und Kreishandwerkerschaft bietet, bringt jedem Mitglied Vorteile. Die Erfahrung habe ich in rund 30 Jahren als Unternehmer und Innungsbetrieb oft machen können. Ich sehe mich da als Vermittler, weil ich im Bereich Trockenbau den Malerinnungskollegen wenig in deren Bereich hineinarbeite, aber auch, weil automatisch die Verbindungen zu den anderen Ausbaugewerken stark da ist.
Als Möglichkeit sehe ich engere Kontakte zum Beispiel zur Handwerkskammer, zu den Schulen oder zur ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) und wünsche mir, dass sich Bürokratie abbauen lässt und einfachere Wege sich ergeben.

Wie groß sind die privaten Einschnitte, wenn man ehrenamtlich engagiert ist? Wie viel Zeit bleibt noch für Ihre Hobbys und die gern zitierte „Work-Life-Balance“?
Wenn man einen Beruf hat, der einem Spaß macht und bei dem man sich kreativ austoben kann, dann vereint man die sogenannte Work-Life-Balance in seinem 14 Stunden Tag automatisch. Ich sehe die Arbeit nicht als Arbeit, sondern als das, was ich gerne mache. Sie ist auch mein kreativer Ausgleich. Ich bekomme gutes Feedback von meinen Kunden, natürlich gibt auch das Antrieb. Einfach eine runde Sache. Ebenso das Ehrenamt. Das mache ich einfach gerne. Zudem habe ich als Unternehmer auch mal die Möglichkeit spontan ein paar Tage mit dem Wohnmobil weg zu fahren, wenn es mir danach ist.

Das Thema Nachwuchswerbung dominiert die Gespräche in den verschiedenen Innungen der Region. Wie stark beschäftigt Sie das Thema, als Unternehmer, aber auch in der neuen Position als Kreishandwerksmeister?
Es beschäftigt mich auf ganz vielen Ebenen. Zum einen ist da, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Da passieren meiner Meinung nach viele Fehler in den Schulen und auch von den Eltern aus. Handwerk ist ein Arbeitsfeld, welches nur darauf wartet geerntet zu werden. Stattdessen bekommen Schüler auch von Lehrern in den Abiturklassen zu hören: „Du machst doch kein Abitur um dann ein Handwerk zu lernen!“. Ein völlig falscher Ansatz und Lenkung. In den nächsten Jahrzehnten warten viele gut etablierte Betriebe nur darauf, von führungsstarken Handwerkspersönlichkeiten übernommen zu werden. Und als Unternehmer heute ist ein Meisterbrief das mindeste Niveau um einen Betrieb technisch, wirtschaftlich und politisch zu führen. Es ist in meinen Augen ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, wenn ich sehe, wie viele junge Leute jahrelang hin und her studieren und unterstützt werden müssen, anstatt einen Beruf zu erlernen, auf dem sie aufbauen können und  später Führungsaufgaben übernehmen oder selbst einen Betrieb leiten.

Und was ist mit den Auszubildenden, die mit klassischer Schulausbildung von neun oder zehn Jahren ins Handwerk kommen? Wie sind deren Chancen?
Die Chancen sind groß. Da liegt es viel an dem persönlichen Interesse und Engagement während der Ausbildung. Die Defizite sind teilweise aber auch groß. Das ist schon etwas beängstigend. Basiswissen ist nicht bei jedem vorhanden. Zudem kommt eine derzeit schwierige Situation bei den Berufsschulen hinzu. Lehrpersonal fehlt, Stunden fallen aus, die Spirale dreht sich. Der Amtsschimmel arbeitet oft zu langsam und die Neueinstellung von Fachlehrern scheitert am Bürokratismus. Oder man kämpft mit Lehrern, die scheinbar ihre pädagogische Aufgabe nicht ganz verstanden haben. Zum Glück haben wir aber auch genauso positive Beispiele. Trotzdem müssen teils die Betriebe den Lehrstoff vermitteln, was natürlich unbefriedigend ist und auch dazu führt, dass Ausbilder die Lust verlieren.

Sollte das Ausbildungsniveau verändert werden?
Auf keinen Fall. Es ist keine Lösung die Anforderungen runter zu fahren damit mehr Azubis die Gesellenprüfung schaffen. Wie auch bei der Meisterpflicht-Frage hat sich gezeigt, dass ein Senken der Qualifikationsanforderung langfristig zu nichts Gutem führt.
Eine Änderung der Einstellung in manchen Köpfen und bessere Kooperation ist das Ziel, damit junge Leute in den Beruf gebracht werden und eine gute Ausbildung erhalten und damit gute Prüfungen ablegen.

Wie erleben Sie die Stimmung im Handwerk mit Blick auf die Zukunft? Was erwartet die Betriebe in der Region in 2019 und im nächsten Jahrzehnt?
Die Stimmung ist generell gut. Die Auftragslage hervorragend. Da haben wir vielfach einen leichteren Stand als vor 30 Jahren, als ich meinen Betrieb gegründet habe.
Problem im nächsten Jahrzehnt und in den kommenden wird sein, geeignete Nachfolger für Betriebsübernahmen zu finden. Wie zu Beginn schon gesagt, es stehen zahlreiche, gut situierte Betriebe in den nächsten Jahren zur Übernahme aus Altersgründen an. Da brauchen wir Führungspersönlichkeiten und junge Unternehmer, die etwas unternehmen wollen.

Worin sehen Sie die wichtigste Arbeit der Kreishandwerkerschaft für Ihre Innungen und Mitgliedsbetriebe?
Die Hauptaufgabe sehe ich darin, die Betriebe zusammen zu führen und als tatkräftige Institution zu stärken. Lobbyarbeit betreiben. Gemeinsame Probleme erkennen und gemeinsam dagegen vorgehen. Strukturen überdenken und überarbeiten. Auch hier gilt: Unternehmer unternehmen was. Das geht gemeinsam halt besser als alleine.

Und was macht Ihnen am meisten Spaß an Ihrer neuen Ehrenamtstätigkeit?
Die Freude am Ehrenamt generell. Der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen. Ich spreche gerne mit den Handwerkskollegen auf vertrauensvoller Basis. In fachlichen oder rechtlichen Dingen und über Ausbildung. Die zwischenmenschlichen Kontakte, die durch Innung und Ehrenamt entstanden sind, sind mir sehr wichtig. Bei Problemen weiß man immer, wen man fragen kann. Betriebe, die nicht in der Innung sind, arbeiten doch oft alleine für sich. Da bin ich froh um das Netzwerk was ich habe und gebe gerne auch von meinen Erfahrungen weiter.

Interview: Irmgard Busch,
Kreishandwerkerschaft

Zur Person:
Hermann Waldorf ist Maler- und Lackierermeister sowie Trockenbauer. Neben seinem Ehrenamt als Kreishandwerksmeister ist er auch stellvertretender Obermeister der Maler- und LackiererInnung Westeifel und Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft MEHR. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer und Firmengründer der Waldorf GmbH mit Sitz in Hillesheim, die mit rund dreißig Mitarbeitern dieses Jahr auch ihr dreißig jähriges Bestehen feiert. Hermann Waldorf ist Ausbilder mit Leidenschaft und bietet neben der klassischen Ausbildung ebenso eine Ausbildung im dualen oder trialen Studiengang an.

____________________________________
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Kreishandwerkerschaften.